Hausbesichtigung der Zukunft

Immobilienbesichtigung wird immer einfacher. Wird ein Haus saniert oder ist der Neubau noch nicht fertig, können Sie das Objekt auch virtuell begehen. Mit VR-Brillen gewinnen Sie Eindrücke von der Immobilie oder können schon die Einrichtung planen. Während Sie in dem virtuellen Haus stehen, können Sie Möbel platzieren oder verschieben, Fußböden austauschen oder Wände in anderen Farben streichen. Die VR-Experten Matthias Ruffert und Sebastian Träger erklären, warum Virtual Reality hier zum neuen Standard wird.

Wie kamt ihr darauf, VR-Simulationen für Immobilien zu machen?

Matthias Ruffert: Was sich in anderen Branchen schon durchgesetzt hat, setzt sich allmählich auch beim Bau von Immobilien durch. Das wird jetzt möglich, weil die Technik sich enorm entwickelt und auch bezahlbarer geworden ist.  Nicht nur für Millionen- und Milliardenprojekte, sondern auch für 200.000-Europrojekte. In anderen Branchen wird schon seit vielen Jahren in der Planung elektronisch simuliert: Sei es im Bereich der Flugzeugentwicklung, Schiffsentwicklung, Maschinenentwicklung oder auch Kraftwerkentwicklung. Das wird getan, bevor man überhaupt ein Stück Stahl in die Hand nimmt oder irgendetwas formt.

Wofür werden VR-Simulationen bei der Bauprojektplanung eingesetzt?

Sebastian Träger: Sowohl für die Planung als auch für den Vertrieb. Dazu muss das Gebäude noch nicht stehen.

Matthias Ruffert: Ich habe gestern zum Beispiel mit einem Marktteilnehmer gesprochen, der mehrere Wohneinheiten in Planung hatte. Ich habe ihn gefragt, ob er schon mal einen Plan schicken könnte, aber er hatte gar nichts, nur das Grundstück und die Idee. Es gab noch keinen Auftrag für einen Architekten oder sonst was. Trotzdem musste er jetzt schon Wohneinheiten verkaufen. Dazu wollte er die Idee digitalisiert darstellen, damit sie in den Köpfen der Projektentwickler und Bauunternehmer weiterwächst.

 

Was wird in Simulationen dargestellt? Wie detailliert sind sie?

Sebastian Träger: Das geht teilweise bis ins letzte Detail. Sowohl vom Objekt als auch von den Außenansichten. Wir können sogar den Verkehr draußen auf der Straße simulieren. Das ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich. Im einen Projekt geht es mehr um die Gartengestaltung. Da wird jede Pflanze, die der Landschaftsarchitekt vorgesehen hat bis ins Detail dargestellt. In anderen geht es dann eher um den Innenraum.

Wie werden VR-Simulationen von Projekten erstellt, die es noch gar nicht gibt? Was braucht man da als Grundlage?

Sebastian Träger: Die meisten unserer Kunden haben bereits einen groben Plan, wie Sie es im Endeffekt haben wollen. Zumindest bei den Gebäuden. Wir kriegen dann also schon Architektenpläne und gröbere Zeichnungen. Die füllen wir dann zunächst mal mit Wänden und Böden und dann immer detaillierter mit Fenstern, Möbeln und Sanitäranlagen.

Wie lange dauert es, eine Simulation zu erstellen? Wie viele Leute sind daran beteiligt?

Sebastian Träger: Das kommt ganz aufs Projekt an. Grob gesagt dauert es zwischen zwei und acht Wochen. Ein typisches Projekt dauert um die vier Wochen. Wir haben dafür einen Workflow mit vier bis fünf Leuten.

Matthias Ruffert: Es sind auch unterschiedliche Qualifikationen, die man braucht. Der eine hat mehr Inneneinrichtungsgefühl, der andere ist eher auf Grundstrukturen spezialisiert. Außerdem haben wir auch einen Spezialisten für alle Lichtfragen. Denn wie auch in der realen Welt, macht Licht hier ziemlich viel aus und sorgt am Ende für den Feinschliff.

Ein Problem bei der Bauplanung besteht darin, dass noch nichts besichtigt werden kann. Lösen die VR-Simulationen dieses Problem, sodass sich leichter Investoren und Käufer finden?

Matthias Ruffert: Auf jeden Fall! Es geht nicht nur darum, die Planung zu beeinflussen, sondern wirklich darum, schneller zu verkaufen. Nehmen wir an, Sie sind ein Investor mit einem großen 5-Millionen-Euro-Projekt, haben selber aber nur 50.000 Euro Cash und brauchen jetzt einen Kredit von der Bank. Bevor die investiert, wird sie verlangen, dass erste Wohneinheiten bereits verkauft werden. Da beißt sich also die Katze in den Schwanz. Virtual Reality ermöglicht einen einfachen Start. Es muss noch nichts physisch da sein, um schnelle Abschlüsse zu kriegen. So finden Sie sowohl schneller Käufer als auch Investoren.

Sebastian Träger: Normalerweise ist es so, dass der letzte Kunde am meisten zahlt, weil er sich am wenigsten vorstellen muss. Aber durch Virtual Reality können auch die ersten Kunden bereits etwas sehen, ohne sich selbst zu viel ausmalen zu müssen. So wird direkt ein höherer Preis pro Quadratmeter erzielt.

Momentan boomt der Immobilienmarkt. Ist es da nicht sowieso leicht Käufer zu finden?

Matthias Ruffert: Vielen geht es nicht darum, an die Endkunden zu verkaufen, sondern einen Zuschlag für ein Projekt zu bekommen. Denn darum stehen Sie mit vielen anderen Firmen in Konkurrenz. Deshalb kommen zu uns Sparkassen oder andere Großkunden, um große Projekte bewerben und mit dieser Technik zeigen wollen, dass sie innovativ und leistungsbereit sind. So kriegen sie die Zuschläge von Bauträgern und Gesellschaften.

Wie entwickelt sich der Markt für Simulationen? Werden Sie bald zum Standard bei neuen Bauprojekten?

Matthias Ruffert: Ich bin zutiefst davon überzeugt. Mittlerweile sehen wir, dass immer mehr Menschen auf diese Technik setzen. Vor zwei Jahren waren wir das noch anders, aber jetzt ist es so, dass die Endkunden bei den Banken oder Maklern sitzen und direkt danach fragen. Die konnten sich dann vielleicht ein anderes Projekt bei einem Konkurrenten über eine Simulation ansehen und wollen nun diesen Standard.

Was fasziniert Sie an VR-Simulationen?

Matthias Ruffert: Ich sehe das vor allem aus dem unternehmerischen Blickwinkel. Da ist es eine enorme Chance, weil hier gerade ein komplett neuer Markt entsteht. Das finde ich besonders spannend: Teilnehmer eines sich neu entwickelnden Marktes zu sein.

Sebastian Träger: Ich habe darauf eine etwas andere Sicht. Einen neuen Markt mit zu entwickeln finde ich natürlich auch spannend. Aber das faszinierendste an VR-Simulationen ist für mich eigentlich, dass das etwas ist, was sich kein Mensch vorstellen kann. Man kann darüber reden, Filme drüber machen, aber man kann es sich nicht vorstellen. Man muss es erleben. Man muss eine Brille aufsetzen — jeder der das einmal getan hat, wird fasziniert sein. Für mich ist das eine Art Geisteserweiterung: Man setzt die Brille auf und nach einer halben Minute ist man in einer anderen Welt. Egal, was einem gezeigt wird, ob man eine Immobilie sieht oder eine Unterwasserwelt, man ist in diesem Moment da drinnen. Das ist so real, dass Körper und Geist das gar nicht unterscheiden können von der wirklichen Welt.

Möchten Sie wissen, ob sich eine virtuelle Begehung auch bei Ihrer Immobilie lohnt? Kontaktieren Sie uns! Wir beraten Sie gern.

 

Fotos: © RossHelen / peshkov

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